Brief No. 19 – Warum ich mich für den Spatz entscheide.

Liebe Anne,

Die. Taube. Auf. Dem. Dach.

Da schon wieder!

“HuhuuuHU!”

Diese VIECHER!

Dass die als Friedenssymbol herhalten müssen, obwohl sie mich jeden Morgen ab 5 mit ihrem Gegurre um meinen wohlverdienten Schlaf bringen, ist mir vollkommen rätselhaft.

Mit hängenden Lidern schleppe ich mich dann auf den vollgekackten Balkon und denke: “KRIEG!” Es bleibt beim In-die-Hände-klatschen, die Vögel verziehen sich auf des Nachbars Regenrinne, gucken dämlich und sind ja doch in 5 Minuten wieder da.

Neulich hielt ein Taubenpärchen es für eine gute Idee, bei uns Dauerquartier zu beziehen. “Hier ist es schön, hier bleiben wir”, schienen sie befunden zu haben. “Diese klatschende Trulla nervt zwar ein bisschen, aber die Aussicht ist Bombe.” Fleißig trugen sie Geäst heran. Zum Glück merkte ich es frühzeitig. Ich räumte alles wieder ab. Sie brachten weitere Zweige. Ich räumte alles wieder ab.

Unbeirrt machten sie weiter.

Ich auch.

Ich kürze ab: Irgendwann kapierten sie es und suchten sich einen anderen Nistplatz. Ich gewann das Match.

Die Tauben kommen weiterhin. Ich bilde mir ein, ihr Gegurre ist nach dem Vorfall noch penetranter als früher, und mehr geschietert wird auch (falls das überhaupt möglich ist).

Also entscheide ich mich für den Spatz in der Hand.

Ist ja auch niedlich, so ein kleiner Spatz. Außerdem lese ich, dass seine Art bedroht ist. Er ist quasi auf dem absteigenden Ast. Ich nehme an, es liegt an den Kanonen, mit denen auf ihn geschossen wird.

Unverantwortlich!

Leute, lasst die Spatzen in Ruhe!

Nehmt Euch lieber die Tauben vor!

“HuhuuuHU!”

Schon wieder!

Ich bin dann mal auf dem Balkon.

Deine Anne

P.S.: Das intellektuelle Niveau dieses Briefs wird Deinem Brief nicht gerecht. Dafür entschuldige ich mich. Ich bin einfach nur so MÜDE! Ich liefere nach, wenn ich ausgeschlafen habe.

🙂

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